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Eine etwas unruhige Nacht ging zu Ende und viel zu früh machte ich mir meinen
Morgenkaffee...
Um neun Uhr machte ich mich auf den (mittlerweile wohlbekannten)
Weg nach Grenchen LSZG. Nach dem Meeting mit dem Fluglehrer (FL) und dem Wetterbriefing begaben wir uns schon zum Hangar, wo die Cessna der
Motorfluggruppe Olten auf uns wartete. Die
HB-CGK hat sicher besser geschlafen als ich. Nun denn, wir zogen sie raus und dann konnte das Abenteuer beginnen. Der
ausgiebige Aussencheck mit einigen Erklärungen folgte und auch die "Benzinprüfung". Per Steigrohr im Tank musste geprüft werden, ob die Anzeige
im Cockpit stimmt. Und unter dem Flügel liessen wir Benzin ab um zu checken, ob Kondenswasser (schwerer) drin ist.
Alles ok und Most war genug drin, also reinsitzen in die enge Zelle und Pre-Engine Start Check machen.
"Ignition Both, Start" und schon lief das Maschinchen! Krass. Und ich am (Doppel-)Steuer.
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Cessna 152 II: 108PS, 4 Zylinder, 2 Plätze | Vreise 195km/h/105kn, max. Flughöhe 12'250ft, Reichweite 900km/490nm. Das Cockpit ist nur mit dem Notwendigsten ausgestattet. | Wichtig: Vertical Speed und Altitude | Rechts: Throttle und Mixture, das senkrechte Rad ist die Trimmung
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Nachdem der Motor im Leerlauf rund lief, machten wir uns bereit zum Taxiing und der FL rief den Tower auf. Schon kam die Freigabe: "Taxi to Holding Point RWY 07".
Da es wohl etwas schwierig ist, bediente der FL die Pedale, um das Flugzeug am Boden zu lenken und zu bremsen. Ich wäre wohl Schlangenlinien gefahren.
Am Holding Point folgte dann der Engine Runup Check. Gemisch, Vergaserheizung, Zündkreise, alles im Grünen. Ausser meinem Adrenalinspiegel...
Wir rollten raus und ohne Stop ging es gleich los: "Hotel Golf Kilo, you're cleared for immediate Takeoff RWY 07" Ach du heilige... Also tschüss und weg. Der Profi zog den Flieger hoch und
nach ein paar hundert Fuss übergab er mir schon die Controls und ich zog die Kiste mit 500ft/min weiter hoch. Immer schön gerade halten und gleichmässig steigen,
das war jedenfalls die Absicht, weil es ging mal mit 400, mal mit 700ft hoch. Der Popometer tanzte Rock'n'Roll und sendete herdenweise
"schräge" Signale ans Hirn! Hier ein Luftschüttler, da ein bisschen Schieflage, dort plötzlich 1000 Fuss Steigrate.
Bei grossen Hunden sagt man, "der Hund geht mit einem spazieren" - genauso fühlte ich mich. Mit dem klitzekleinen Unterschied, dass wir 1000
Meter über festem (sehr festem!) Boden waren.
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Für einige Momente schaffte ich einen ruhigen Flug und genoss es sogar - abgesehen von den schweissnassen Händen, die unruhig am
Steuerhorn rummachten. Nur: Damit wurde die Fluglage auch nicht wirklich ruhiger. Der Anfänger ist sich vom Auto gewöhnt, dass man korrigieren muss.
Beim Flugzeug ist das nur bedingt der Fall. Um es noch einfacher zu machen, gibt es die (Höhenruder-)Trimmung, auch eine sensible Sache. Damit kann man
die Steuerung so einstellen, das die Ruder einen bestimmten Ausschlag haben.
Danach muss das Steuerhorn nicht mehr berührt werden. Dann, über Oensingen (oder so): Linkskurve fliegen.
Anvisiert waren 20° Neigung, realisiert wurden so 10 bis 30°... Und immer der Gedanke, wenn ich jetzt noch ein wenig mehr drehe,
schmiere ich dann ab? *schwitz* An dieser Stelle muss festgehalten werden, dass die Steuerung
allgemein sehr sensibel ist. 1mm Bewegung hat schon krasse Auswirkungen, dies aber zeitlich etwas versetzt.
Wenn man sich direkte Auto-Lenkräder und Motorradlenker gewöhnt ist, bedient man einen Flieger sicher "unangemessen". Es gehört viel Übung dazu, damit die nötige
Sensibilität entwickelt werden kann. Item. Irgendwann waren die 360° vollbracht - und schon gings rechts rum.
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Dann erzählte der FL etwas von Notfall und ich dachte schon, NEIIIN, bitte nicht stallen (engl. to stall = die Strömung abreissen lassen), dann
kann ich die Blase nicht mehr kontrollieren! Und, hey, das meine ich ernst.
Mir war unwohl beim Gedanken, dass der Flieger abschmiert und ich sitze am
Hebel. Mitmachen täte ich das schon mal, aber nur, wenn mir null Verantwortung
obliegt und der Pilot sich seiner Sache gaaanz sicher ist. Weil: Technisch ist ein Abriss kein grosses Problem. Das Flugzeug stabilisiert sich selbst, dann muss man es nur
auffangen. Aber nicht heute! Keine Sorge, meinte er, ich sollte nur die Throttle auf Idle nehmen. By the way: Tönt schon profimässig, nicht ;-) ?
Also den Gashebel rausziehen und beobachten, wie der Speed abnimmt. Mit 70kn gings leise rauschend langsam gegen den Boden zu.
Der Flieger lag dabei recht ruhig in der Luft. Besonders speziell war's aber nicht, im Normalfall müsste man die Notfallprozeduren einleiten und wäre natürlich unter Stress.
Dann: Wieder Stoff geben und steigen, dazu gleich einen 180° fliegen. Nun gut. Vor Beznau war der Wendepunkt und wir flogen zurück.
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"Folge mal der Autobahn da unten" *angestrengt rausblick* *rumknüppel* *geradeaus flieg* ...nach ein paar Minuten: "Äh,
die Autobahn ist jetzt übrigens dort drüben" *oops* Nun ja, nach der Kurskorrektur flogen wir dem Limpachtal entlang
Richtung outer downwind 07 (rechtsseitige äussere Platzrunde) von Grenchen. Der FL machte den descend check und meldete uns beim Tower an. Wir kriegten das OK als
Nummer zwei. Ich gab das Kommando wieder ab, darüber war ich nicht mal so unglücklich. Die Cessna gondelte mit 70 Knoten in die Volte. Im Final setzte der FL die Landeklappen und wir erhielten die
definitive Landeerlaubnis. Beim Landen fühlte ich am Steuerhorn mit, hatte aber natürlich "nichts zu melden".
Wie genau er das jetzt machte im short final, mit dem Flaren, die Pedalbedienung... keinen Schimmer... Ich war einfach froh, wieder
unten zu sein. *durchatmen* *nochmals durchatmen* Wir taxelten gleich wieder zum Hangar und schlossen den Flug nach Checkliste ab.
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Enges Cockpit, die beiden Insassen sitzen eng nebeneinander | Erinnerungsfoto mit Bändel | Nicht wirklich ein Riesenteil, die 152...
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Zwei Sachen lassen sich zum Schluss festhalten. Erstens
ist ein Schnupperflug ein genauso starkes wie sinnvolles Erlebnis für alle,
die als Passagiere in kleinen Fliegern (oder auch in grösseren) mitfliegen. Es
kann nichts passieren (auch wenn man auf den Moment hin ein anderes Gefühl
hat), weil der Fluglehrer zum Rechten schaut. Man erkennt, wie das Fliegen "funktioniert"
und hat wohl auch mehr Kenntnis von dem, was der Pilot gerade macht/denkt/fühlt.
Und man weiss dann auch, dass man den Piloten, wenn er im Downwind zur Landung
ansetzt, vielleicht nicht gerade zuquatschen sollte. Zweitens vergrösserte es
meinen Respekt Piloten gegenüber. Man sieht nämlich,
dass es eine sehr diffizile Sache ist und nicht einfach ein "Steuern" wie
in einem Auto. Und wenn der Pilot einen "glatten" Flächenflug hinlegt,
dann gehört da schon einiges an Gefühl und Routine dazu. Und wohl auch ein wenig
Coolness (im Sinn von geistiger Wachheit). Die Bedienung und der Funk sind Sachen
zum Lernen, aber das Steuern ist eine "Fühlarbeit".
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Nach dem Flug wird die Flugzeit abgelesen und der Papierkram ausgefüllt. Innen aufräumen gehört ebenso dazu wie eine Aussenreinigung (Mücken von den Kanten putzen).
Noch ein Erinnerungsfoto, dann haben wir die 500kg schwere Cessna wieder in den Hangar geschoben. Ich setzte mich, voller wirrer Gedanken und reich an neuen Erfahrungen,
hinter eine Cola im Flughafenrestaurant. Das Erlebte war sehr intensiv, einerseits spannend, aber Angst hatte ich auch ein wenig - vor allem vor mir selber.
Der vielzitierte Bazillus Aviatikus hat mich sicher nicht gepackt, aber vielleicht hat er sich eingeschlichen... Eine Lizenz ist aber aus verschiedenen Gründen noch kein Thema, aber wer weiss? Diese Frage bleibt also unbeantwortet...
Wie sich die Situation heute präsentiert, kann im MBLog nachgelesen werden: *click*
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